Sechs Seelsorgeeinheiten unter einem neuen gemeinsamen Dach

05.07.2023 |

Überall in der Erzdiözese Freiburg stehen die Zeichen auf Aufbruch: Die Erzdiözese stellt sich den aktuellen Herausforderungen mit einem umfassenden Zukunftsprozess, der „Kirchenentwicklung 2030“. Es geht um einen tiefgreifenden Kulturwandel mit dem Ziel, Kirche zu einer lebendigen und verlässlichen Glaubensgemeinschaft umzugestalten, zu einer zukunftsfähigen Kirche vor Ort.
 
Dazu gehört auch eine neue räumliche Definition der Pfarreien: Die bisherigen 224 Seelsorgeeinheiten mit ihren über 1000 Pfarreien zwischen Odenwald und Bodensee werden zum 01. Januar 2026 in 36 „Pfarreien neu“ zusammengefasst.
 
Was das für den östlichen Hegau konkret bedeutet, dazu berieten sich am 30. Juni 2023 in Stockach die Mitglieder der sechs bestehenden Pfarrgemeinderäte und der dazu gehörenden Stiftungsräte aus den Seelsorgeeinheiten Höri, Hohenfels, Krebsbachtal, Radolfzell, See-End und Stockach. Diese Räte tragen aktuell Verantwortung für über 31.000 Katholikinnen und Katholiken in 38 Pfarreien, die ab 2026 eine gemeinsame neue Pfarrei bilden werden. Zwischen Öhningen im Süden und Mühlingen im Norden, von Eigeltingen im Westen bis Hohenfels im Osten.  

 
Eine solch große Versammlung gab es bisher noch nicht. Und so war die erstmalige Diskussion in so großer Runde auch geprägt von unterschiedlichen Positionen. Diese galt es auszuhalten und sich damit auseinanderzusetzen, um letztlich gute Lösungen und Einigungen anzustreben – wichtige Erfahrungen im Blick auf das zukünftige kirchliche Leben in der Pfarrei neu und auf dem Weg dorthin.

v.l. Michaela Gesell, Protokoll; Heinz Vogel, Pfr.; Hermann Schwörer, neu gewählter Vorsitzender; Franziska Shumba, Abstimmungsleitung; Christine Derschka, Moderation; Clemens Trefs, Projektkoordinator
Die Versammlung wurde von Christine Derschka vom Bildungszentrum Singen moderiert. Rote und grüne Karten dienten immer wieder zu Stimmungstests. Gesprächsrunden innerhalb der einzelnen Pfarrgemeinderäte brachten manch emotional geführte Diskussion zu einem guten Ende.  
 
Die Vollversammlungen der Pfarrgemeinderäte und der Stiftungsräte sind bis zur Errichtung der neuen Pfarrei in zweieinhalb Jahren zentrale Gremien für wichtige Entscheidungen zur neuen Pfarrei. Dafür ist gemäß der anzuwendenden Regeln sowohl eine Mehrheit in der Vollversammlung als auch in jedem einzelnen Pfarrgemeinderat erforderlich. Deshalb waren die anstehenden Entscheidungen in den einzelnen Pfarrgemeinderäten vorbesprochen worden, die Projektleitung versuchte darauf aufbauend, einen gemeinsamen Nenner zu finden und vorzuschlagen.
 

Vollversammlungen bleiben

Rote und grüne Karten dienten immer wieder zu Stimmungstests.
Die Versammlungen sollen weiterhin als Vollversammlung aller über 100 Mitglieder der Pfarrgemeinderäte stattfinden, und nicht in einem verkleinerten Gremium mit Delegierten aus jedem Pfarrgemeinderat je nach Größe der Seelsorgeeinheit. Eine solche Verkleinerung fand nach reger Diskussion keine Annahme gemäß der anzuwendenden Mehrheitsregeln.
Auch das Gremium der Stiftungsräte wird weiter in der Form der Vollversammlung zusammenkommen. Beide Vollversammlungen haben immer noch die Möglichkeit, über eine Verkleinerung zu entscheiden.

Gemäß den Vorgaben der Erzdiözese standen neben der Konstituierung wichtige und dringende Entscheidungen an, zum Sitz der Pfarrei, zur Pfarrkirche und ihrem Patronat, und zum Namen der Kirchengemeinde. Die getroffenen Entscheidungen gehen nun als Votum an Erzbischof Stephan Burger, der sie per Dekret festgelegt.

Sitz der Pfarrei in Radolfzell

Über den Verwaltungssitz und das Zentrale Pfarrbüro wurde nach Beratung hinsichtlich Lage, Erreichbarkeit und Räumlichkeiten entschieden, dass der Sitz der Pfarrei in Radolfzell sein soll. Alternativ war über Stockach beraten worden, jedoch lassen sich die objektiven Voraussetzungen in Radolfzell besser erfüllen.

Konkret bedeutet dies, dass der künftige leitende Pfarrer, eine leitende Referentin oder Referent, die kaufmännische Geschäftsführung sowie das Zentrale Pfarrbüro in Radolfzell angesiedelt werden sollen. Ein Team von weiteren Priestern und Diakonen, pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Pfarrbüros als Anlaufstellen werden über das gesamte Pfarreigebiet verteilt anzutreffen sein.

Radolfzeller Münster

Pfarrkirche der neuen Pfarrei soll das Radolfzeller Münster sein.
Formal kirchenrechtlich gesehen gehören ab 2026 alle 37 anderen Pfarreien auf dem Gebiet der neuen Pfarrei zur Münsterpfarrei.
 
Die bisher selbständigen Pfarreien behalten jedoch ihre Rechte bei, die sie für ihre Pfarrkirchen haben, so dass es dort weiterhin Taufen und Trauungen gibt und Patrozinium gefeiert wird.

St. Zeno

Zeno auf dem Siegel des Chorherrenstifts
Patron der neuen Pfarrei soll der Heilige Zeno werden.
Bischof Zeno von Verona lebte im 4. Jahrhundert und war Patron des Radolfzeller Chorherrenstiftes, das 1809 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde. Zeno ist einer der Radolfzeller Hausherren.
 
Als Alternative zu Zeno stand das bisherige Patronat des Münsters „Unsere Liebe Frau“ zur Wahl; jedoch fiel die Entscheidung klar für Zeno aus, der auch einen Neuanfang am Münster symbolisiert und zu dem es von vielen Orten in der neuen Pfarrei Verbindungen gibt.

Kirchengemeinde Bodensee-Hegau

Die Pfarrei neu „St. Zeno Radolfzell“ mit ihren 38 Gemeinden wird dann gleichzeitig eine Kirchengemeinde, d.h. eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes unter der Leitung eines Pfarrers, einer kaufmännischen Geschäftsführung und eines Pfarreirates sein. Diese Kirchengemeinde sollte einen Namen bekommen, der im öffentlichen Bewusstsein ist und auch überregional eine gute räumliche Zuordnung erlaubt.
 
Die Kirchengemeinde soll nach dem Votum der Vollversammlung den Namen „Römisch-katholische Kirchengemeinde Bodensee-Hegau“ tragen, der sich gegen die auch in anderem Kontext verbreitete Variante „Hegau-Bodensee“ durchsetzte.

Vorstand

Vorstand der Vollversammlung der Pfarrgemeinderäte: v.l. Jürgen Brecht, Hermann Schwörer, Heinz Vogel
Zum Vorsitzenden der Vollversammlung der Pfarrgemeinderäte wurde Hermann Schwörer (SE Höri) und zum stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Brecht (SE Stockach) gewählt. Den Vorstand ergänzt Pfr. Heinz Vogel kraft Amtes als Lokaler Projektkoordinator; auf ihn rückt der designierte Leiter der neuen Pfarrei nach, sobald dieser ernannt ist. Wie Heinz Vogel im Verlauf der Versammlung mitteilte, habe er sein Interesse an der Leitung der neuen Pfarrei nach Freiburg bekundet.
Zur stellvertretenden Vorsitzenden des Stiftungsrates wurde Ute Teige (SE Radolfzell) gewählt. Vorsitzender kraft Amtes ist Pfr. Heinz Vogel.

In den kommenden zweieinhalb Jahren werden nun die Pfarrgemeinderäte und Stiftungsräte in ihren Vollversammlungen zusammen mit der lokalen Projektleitung als Steuerungsgruppe, mit den lokalen Projektkoordinatoren und mit Ausschüssen und Arbeitsgruppen den anstehenden Wandel der kirchlichen Strukturen vorbereiten.

Die beiden Vollversammlungen im Stockacher Pallottiheim spiegelten eine Vielfalt wider, wie Menschen zum Kirchenentwicklungsprozess in der Erzdiözese stehen. Auseinandersetzung, Suche nach Lösung und Einigung, Aushalten unterschiedlicher Positionen, Interesse, Humor, Gesang, Gebet, … Segen.