1200 Jahre … und 1179 Jahre

31.08.2026 | Ein großes Fest am Todestag von Bischof Radolt: 13. September. 

Im Jubiläumsjahr rückt Bischof Radolt also nicht nur mit seiner Wahl für diesen Flecken Erde und seiner „Gründung“ der Cella Ratoldi – Radolfzell – in den Blick. Sein Todestag ist schon immer auch ein Gedenktag und in diesem Jahr besonders.

Schon das Jubiläum 1200 Jahre hat eine beeindruckende Zeitspanne im Blick. Viele Veranstaltungen in diesem Jahr waren Annäherungsversuche an den, von dem wir eine Unterschrift kennen und dessen Gebeine in einem Sarkophag im Münster beim Marienaltar ruhen. Seine Gebeine erinnern an seinen Tod um das Jahr 847. Bis sie in diesen Sarkophag kamen und dann an diese Stelle, dauerte es nochmals eine lange Zeit.

Studierende der Studiengä nge Geschichte, Architektur und Kommunikationsdesign der Universität Konstanz und der HTWG Konstanz haben eine Ausstellung konzipiert und im Sommersemester umgesetzt. Die „Cella Ratoldi“ bildet darin den Kern. „So! Oder anders?“ ist die Ausstellung überschrieben und denkt sich in die Geschichte Radolfzells hinein. Alle werden in verschiedene Themenfelder mitgenommen und versuchen, sich in Entscheidungen hineinzuversetzen, welche zu der Stadt, wie sie heute ist, geführt haben. Es hätte auch anders werden können, wenn Menschen anders entschieden hätten. Aber wie ist anders? Radolt hätte auch woanders hingehen können. Und was wäre dann aus diesem Flecken Erde am Untersee geworden?
 
Immer sind es Entscheidungen. Immer hätten Menschen anders entscheiden können. Ich hätte anders entscheiden können. Wie es geworden wäre, kann ich mir ausdenken, aber schaffe ich es überhaupt, alles zu erfassen, um dann zu wissen, wie es wäre. 

So! Oder anders?
 
Eine faszinierende Ausstellung. Sie regt die Phantasie an. Sich selbst einmal zurückversetzen in eine andere Zeit und überlegen, wie ich damals entschieden hätte und welche Konsequenzen die andere Entscheidung für die Entwicklung unserer Stadt gehabt hätte. 

Die Vergangenheit ändern wir nicht mehr. Aber jetzt sind wir verantwortlich für das Leben hier. Unsere Entscheidungen bestimmen Wege, das Leben in der Stadt, haben Konsequenzen für folgende Generationen. 
 
Wir haben den Namensgeber unserer Stadt bei uns „begraben“. Wir können einiges von ihm wissen und doch ist es wieder wenig, um eine Biografie zu schreiben.
 
Das Wenige ist gar nicht so schlecht, finde ich. Weil es anregt … nachzudenken und … zu feiern. Schon das ganze Jahr hindurch. Auch sein Todestag wird zu einem Festtag. Es hat zutiefst mit seinem Glauben zu tun, seiner Hoffnung und seinem Zeugnis für
das Evangelium. In unserem Münster sind wir an seinem Sarkophag immer in Berührung mit dem Leben, dem Glauben, den Entscheidungen eines Menschen, Christen, Bischofs und auch einer bedeutenden Persönlichkeit im Gefüge des damaligen Reiches.

Unser Ort hat eine Geschichte, die durch Entscheidungen Einzelner und auch einer Gemeinschaft so geworden ist, von Anfang an. Die so geworden ist. Es hätte auch anders werden können.

Herzliche Einladung zum Festtag des Heiligen Bischofs Radolt am Sonntag, den 13. September.
 
Pfr. Heinz Vogel
 
Schlussstein mit St. Radolt